Nun schon neunmal führte der Ruderclub Eilenburg im Auftrag des Landesruderverbandes Sachsen auf der Kiesgrube in Eilenburgs Osten, zum letzen Mal am 28. und 29. September 2003, die Sächsischen Landesmeisterschaften durch. Vor einem Jahr musste die Meisterschaftsregatta insgesamt ausfallen, da die sächsischen Rudervereine aus der Elbe- und Mulderegion wegen der Hochwasserschäden gar keine Möglichkeiten zu einer Regattateilnahme gehabt hätten. Glücklicherweise – dank deutschland- und europaweiter Solidarität mit den hart gebeutelten Vereinen und angestrengter Wiederaufbauarbeit in den betroffenen Regionen – war von den herben Verlusten aus der vorjährigen Katastrophe auf dem Sattelplatz (und erst recht dann bei den Leistungen der Aktiven) an der wieder hervorragend hergerichteten Regattastrecke nach einem Jahr kaum noch etwas zu spüren.
Zum ersten Mal lag die Anzahl der gemeldeten Ruderinnen und Ruderer mit 549 deutlich über der bisher höchsten Teilnehmerzahl von 2001. Es standen 34 Gemeinschaften/Renngemeinschaften aus Sachsen und Thüringen in der Starterliste zur Landesmeisterschaft. Mehr als 250 Boote waren gemeldet. Die meisten Nennungen kamen bei den Eilenburger Organisatoren wieder von der Rudergesellschaft Wiking im SC DHfK Leipzig mit 42, sowie vom Dresdner Ruder-Club 1902 mit 31. Weitere große Teams kamen vom Dresdner Ruderverein, der Rudergemeinschaft Sachsen 1993 und der Wurzener Rudervereinigung.
Sowohl Aktive, als auch Betreuende, aber auch Wettkampfleitung und Besucher waren wohl eher skeptisch bei der Wetterprognose vor der Regatta. Schon längst „musste“ die Schönwetterperiode doch einmal zu Ende gehen. – Das Wetter hatte ein Einsehen, an beiden Tagen herrschten gute Bedingungen vor, zunächst etwas trübe, kam gegen Mittag immer die Sonne heraus. Während am Sonnabend ein leichter Westwind das Wasser kräuselte, kam er am Sonntag zunächst etwas heftiger aus dem Osten, legte sich aber auch bald. Erst als die letzten Regattabesucher auf der Heimfahrt waren und das letzte Starbahnseil aus dem Wasser gezogen war, setzte kräftiger Regen ein.
Auch in diesem Jahr konnte der Sächsische Landesruderverband wieder eine recht erfolgreiche Bilanz am Ende des Wettkampfjahres ziehen, Ruderinnen und Ruderer aus den Stützpunkten in Dresden und Leipzig waren bei allen bedeutenden nationalen und internationalen Regatten – sieht man vom deutschen Debakel bei den Junioren Weltmeisterschaften auf der 2004er Olympiaregattabahn von Schinias bei Athen ab – vertreten. Um allen sächsischen Ruderern auch in diesem Jahr einen Start bei der Landesmeisterschaft zu ermöglichen, wurde die Verschiebung vom langfristig geplanten Termin (3. und 4. Oktober) auf das letzte Septemberwochenende erforderlich. Dadurch konnten die Teilnehmer und Besucher der Meisterschaftsregatta von Eilenburg auch heuer wieder Topps der sächsischen Rudergemeinde im Wettkampf erleben.
Die teilweise recht starken Teilnehmerfelder machten acht Vorrennen und bei den B-Junioren im Einer (24 Starter) sogar Zwischenläufe am Sonnabend erforderlich. Die Entscheidung der Regattaleitung, wegen der hohen Teilnehmerzahl im B-Junioren-Einer ein kleines Finale auszutragen, erwies sich als angebracht, denn auch um die Plätze sieben bis zwölf wurde am Sonntag angestrengt gekämpft. Vom Sonnabendnachmittag bis zum Sonntagnachmittag bestimmten dann 51 Finalläufe das Regattageschehen. Insgesamt wurde also von den Vorrennen bis zum mit vier (2001: drei) Booten besetzten Vereinsachter, von den Zwölfjährigen bis zu den Masters spannender Rudersport geboten. Die sehr zahlreich erschienenen Zuschauer erlebten an beiden Tagen interessante Rennen. Die ganze Meisterschaft kann als sehr gelungen bezeichnet werden. In den Frauen- und Männerrennen, bei den Juniorinnen und Junioren, den Mädchen und Jungen wurde hart gekämpft, den Favoriten wurde der Sieg nicht leicht gemacht. Bis auf den Einer der 12jährigen Jungen, in dem Lars Kaulfuß vom Pirnaer Ruderverein 1872 das Feld mit mehr als 20 Sekunden distanzierte, gab es kaum kein Rennen, in dem die im Finale kämpfenden Boote wegen „Klassenunterschieden“ „meilenweit“ entfernt ins Ziel ruderten.
Die einjährige Zwangspause bei den Sachsen-Meisterschaften wurde in fast allen sächsischen Gemeinschaften für die Heranbildung des Nachwuchses offenbar gut genutzt. In 17 Vereinen und Renngemeinschaften konnte man sich über Goldmedaillengewinne freuen. Die erfolgreichsten Truppen der letzten Jahre sind auch die in diesem Jahr: Ruderinnen und Ruderer vom Dresdner RC landeten 18mal am Siegersteg, die RG Wiking DHfK Leipzig brachte es auf neun und der Dresdner RV auf acht Goldmedaillen. In vielen Läufen konnten neben den Medaillen auch Erinnerungsgeschenke und Sachpreise überreicht werden, die wieder durch den RCEKlaus Winkler, eingeworben worden waren.
Mit André Slavik (Junioren A) stellte der Dresdner RV den erfolgreichsten
Teilnehmer der Meisterschaftsregatta von 2003. Neben einem klaren Sieg vor
Martin Loßner (Wiking Leipzig), holte er mit Kleber auch die Goldmedaille im
Doppelzweier (vor Wiking) und Zweier ohne, außerdem wieder mit Kleber sowie
Arnold und Prophet im Doppelvierer. Schließlich landete er auch im Achter seines
Vereins mit knapp einer Sekunde Vorsprung vor den Lokalkonkurrenten des DRC
einen ersten Platz.
Eine Vertreterin der deutschen Ruderfrauen-Elite, Peggy Waleska, vom Dresdner RC,
ließ sich vier Goldmedaillen in Eilenburg nach in der Regel klaren Siegen
überreichen. Sie war erfolgreich im Einer (vor Thiele/Wiking), mit Kochan (DRV)
im Doppelzweier, saß mit Kochan, Forberger un Thiele im siegreichen Doppelvierer
und hatte auch keine Schwierigkeiten, gemeinsam mit Naumann, Forberger und
Müller den Vierer ohne als Erste ins Ziel zu rudern.
Jens Wittwer (Wiking Leipzig), Bronzemedaillengewinner im leichten Doppelvierer
bei der WM in Mailand, besiegte im Senioren–A-Einer Stefan Schulze vom Pirnaer
RV und rette sich mit And-reas Süptitz (Triton Leipzig) vor den Routiniers
Lützner/Wende (DRC/Wurzener RV) in einer halben Sekunde als Gewinner ins Ziel.
Mit Richard Röthig (Rudergemeinschaft Sachsen 1993) scheint sich bei den
B-Junioren eine neue Hoffnung in der „Warteschleife“ zu befinden. Nach Siegen im
Vor- und Zwischenlauf (24 Starter) setzte er sich – allerdings denkbar knapp
(0,5 Sekunden Vorsprung) – vor Karl Schulze und Tobias Arnold aus dem eigenen
Verein durch. Bereits im Doppelvierer mit (dazu Jesiorki, Schindler, Gawer und
Bär) hatte er für die RG Sachsen eine Goldmedaille gewonnen.
Während Martina Schulze vom Pirnaer RV klar den Einer der 14jährigen Mädchen
gewann, konn-ten im gleichen Rennen die Zielrichter keinen Unterschied im
Einlauf von Jährling (DRC) und Städler (Pirna) um den zweiten Platz erkennen.
Die beiden Piranerinnen Schulze und Städler gewannen am Sonntag den Doppelzweier
bei den Mädchen (14 Jahre). Bei den 14jährigen Jungen-Einern kamen die besten
aus der Leipziger Region: Mirko Hennig (Wurzener RV) besiegte mit einer knappen
halben Sekunde Matthias Adamek von Triton Leipzig. Mit Christian Corte ge-winnt
Adamek auch das Doppelzweierrennen für seinen Verein.
Das spannendste Mastersrennen – wie auch schon 2001 - war der Kampf der
Männer-Doppelvierer. Hier setzten sich erneut Alex, Hettmann, Gretschel und
Wundratsch vom SSV Planeta Radebeul knapp gegen die Konkurrenz, in diesem Jahr
aber die der Renngemeinschaft RV Triton 1893 Leipzig/ Wurzener RV/ Torgauer RV,
mit anderthalb Sekunden Vorsprung durch. Der Pirnaer Ruderverein 1872 wurde
Dritter. Mit seinen 58 Jahren erkämpfte William Clapp vom Dresdner RV den
dritten Platz im Masters-C-Einer (Sieger: Armin Schulze, DRC), in zweiten
Masters-Einer-Finale siegte Ralf Fercho für den Torgauer Ruderverein vor
Hendrik Gretschel (SSV Planeta Radebeul).
Wieder einmal verhinderte ein Rollsitzklemmer des inzwischen fast Kultstatus
erworbenen Eilenburger „Museums-Achter“ ein wesentliches Beeinflussen des
Renngeschehens bei den Vereinsachtern. Eine hübsche Uhr für das Bootshaus
gewann dort nach furiosem Kampf der Dresdner RV vor dem Dresdner RC und der RG
Wiking Leipzig.
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